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Statement von Christine Bauer-Jelinek

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Christine Bauer-Jelinek Macht Machtdefinition

Was ist Macht?

W

as meinen wir überhaupt, wenn wir von Macht sprechen? Welche gemeinsame Definition kann so unterschiedliche Themen wie die Macht der Medien, die Staatsgewalt, die Privilegien der Prominenz oder die Waffen einer Frau miteinander verbinden? Heute wird „Macht“ in der Alltagssprache mit einer Reihe von anderen Wörtern sinnverwandt gebraucht, wie Kraft, Stärke oder Einfluss. Diese werden oft nicht klar unterschieden, sondern beinahe beliebig eingesetzt. Der Begriff „Macht“ hat in der deutschen Sprache – so die wissenschaftliche Erklärung – seine Wurzel in dem Zeitwort „vermögen“, das in der Bedeutung von „können“ zu verstehen ist. Macht haben bedeutet also, über die Möglichkeit zum Handeln zu verfügen. Entgegen vielen Behauptungen kommt „Macht“ also nicht von „machen“, sondern von „können“. Offensichtlich gehört zum Themenkreis der Macht mehr, als bloß „etwas zu tun“. Doch was steckt wirklich hinter diesem weitreichenden und schillernden Begriff?

Die wissenschaftliche Literatur liefert zum Machtthema nicht viel Material, das auch im Alltag hilfreich wäre. Autoren, die sich mit Definitionen des Machtbegriffes beschäftigen, beziehen sich meist auf Teilbereiche und betonen bestimmte Aspekte des Phänomens. Die einen betrachten die Wirkung von institutioneller Macht, andere die unterschiedlichen Herrschaftsformen und wieder andere die Wurzeln der Gewalt oder Techniken der Manipulation. An den Universitäten wird das Machtthema in verschiedenen Disziplinen behandelt: bei den Historikern, in der Soziologie, der Politologie, der Psychologie, der Pädagogik, in den Rechts-, Kommunikations-, Religions- und Sprachwissenschaften. Macht ist ein umfassendes, grundlegendes Thema der Menschheit, vergleichbar mit den Bereichen „Friede“ oder „Liebe“.

Ein Blick auf die gängigen Definitionen zeigt die unterschiedlichen Ansätze: Niccolò Machiavelli („Der Fürst“), ein Staatsmann und Geschichtsschreiber aus dem 16. Jahrhundert, sieht in der Macht vor allem eine politische Kategorie, die nicht nur ein Mittel, sondern auch Ziel des Handelns ist. „Die Hauptobliegenheit eines jeden Fürsten ist, sich vor Hass oder Geringschätzung zu hüten“. Der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche hat mit seinen Schriften „Der Wille zur Macht“ diese zur Grundausstattung des Menschen gezählt und sie damit in die Nähe der Psychologie gerückt. Max Weber, ein deutscher Soziologe („Wirtschaft und Gesellschaft“), streicht die Bedeutung des Willens hervor, ohne seine Definition gegenüber der Gewalt abzugrenzen: „Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“, während die deutsch-amerikanische Politologin Hannah Arendt („Über die Revolution“) Macht vorrangig unter dem Aspekt der Verantwortung und der Gemeinschaft betrachtet. Nach ihrer Definition entspricht Macht „der menschlichen Fähigkeit, nicht nur zu handeln oder etwas zu tun, sondern sich mit anderen zusammenzuschließen und im Einvernehmen mit ihnen zu handeln.“ Und: „Wird eine Person mit Macht ausgestattet, geht sie damit eine Verpflichtung gegenüber denjenigen ein, in deren Namen sie handelt.“ Niklas Luhmann postuliert, „Macht kann nicht auf Konsens beruhen“ und „Würde Einverständnishandeln ausreichen, wären besondere Vorkehrungen für die Bildung und Reproduktion politischer Macht unnötig“ („Die Politik der Gesellschaft“ und „Macht“). Michel Foucault entwirft das Konzept der strategisch-produktiven Machtvorstellung. Macht wird dabei nicht von einer gesellschaftlichen Instanz (sei sie ein Individuum oder eine Gruppe) besessen und ausgeübt, sie existiert im heterogenen Verhältnis der Instanzen (also zwischen Herrscher und Beherrschtem beispielsweise). Machtbeziehungen sind überall da, wo es Gesellschaft gibt („Analytik der Macht“ / „Mikrophysik der Macht“ / „Botschaften der Macht“). Für Pierre Bourdieu ist „symbolische Macht die Macht, Dinge mit Wörtern zu schaffen.“ Den Schriftsteller Elias Canetti beschäftigten die Phänomene von „Masse und Macht“, wobei er mehr Aufmerksamkeit der Massenpsychologie widmet als der Macht selbst. Ganz profan sieht hingegen der Romancier Oscar Wilde die Sache: „Macht ist die einzige Lust, derer man nicht müde wird“.

Macht für alle: eine neue Definition

Das Machtthema gewinnt in unserer Zeit nicht nur für die Wissenschaft, sondern für den einzelnen Menschen in seinen privaten, beruflichen und politischen Auseinandersetzungen an Bedeutung. Die von mir entwickelte Machttheorie rückt daher das Individuum in den Mittelpunkt und reduziert den Machtbegriff auf das Wesentliche, ohne zugleich moralische Bewertungen vorzunehmen. Die beiden bestimmenden Elemente der Definition in meinem Modell sind Wille und Widerstand. „Macht ist das Vermögen, einen Willen gegen einen Widerstand durchzusetzen.“ Das bedeutet, dass Macht dann gebraucht wird, wenn sich bei der Verfolgung eines Zieles Widerstand entgegenstellt oder entgegenstellen könnte, wenn also ein Interessenkonflikt besteht. Man kann sich jetzt fragen, warum nur bei einem Widerstand von Macht die Rede sein sollte. Ist denn nicht auch Macht im Spiel, wenn man etwas gestalten oder strukturieren will? Macht wird sehr häufig so breit definiert, doch diese allgemeine Sichtweise dient eher der Verschleierung. Es wäre für eine Bewusstseinsbildung weder sinnvoll noch förderlich, wenn der Machtbegriff einer Inflation unterworfen, und alles und jedes, was jemand tut, als Macht bezeichnet würde. Zum Gestalten reichen Eigenschaften wie Kraft, Ausdauer oder Kreativität, wenn man von niemand daran gehindert wird. Man kann ein Bild malen, eine Mahlzeit bereiten, ein Auto reparieren, mit Freunden spazieren gehen – dazu wird noch keine „Macht“ gebraucht. Erst wenn andere Interessen sich gegen die eigenen stellen, benötigt man Macht, um sein Ziel erreichen zu können.

Die Definition im Macht-Modell von Christine Bauer-Jelinek, das allen Aktivitäten am Institut für Macht-Kompetenz zugrunde liegt, lautet daher:

„Macht ist das Vermögen,
einen Willen gegen einen Widerstand durchzusetzen.“

 

© aus:
Bauer-Jelinek, Christine. Die helle und die dunkle Seite der Macht, Ecowin 2009

Ihre Macht-Kompetenz können Sie unter anderem mit den Publikationen und Veranstaltungen von und mit Christine Bauer-Jelinek verbessern.

 
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