Ö1 23.06.2020

Radiokolleg – Die helle Seite der Macht 2

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Rehabilitierung eines Phänomens (2). Gestaltung: Daphne Hruby

Gestaltung: Daphne Hruby

Machthaber - alleine dieses Wort ist schon negativ konnotiert. Präsidentin, Premierminister - das klingt doch gleich viel nobler, viel demokratischer. Aber Machthaber? Medien verwenden den Begriff auch gerne, um das Bild guter Entscheidungsträger versus böser Entscheidungsträger zu kreieren. Auf diese Art erscheint unsere immer komplexer werdende Welt auch gleich um einiges simpler, wird leichter verständlich - vermeintlich. Dabei lassen Medien im selben Atemzug ihre eigenen mächtigen Muskeln spielen. Macht steht und fällt mit ihrer Präsentation.

Macht und Machtmissbrauch werden heutzutage beinahe schon als Synonym verwendet. Unterdessen braucht es ein gewisses Maß an Autorität um Dinge durchzusetzen, aber auch um Ziele zu erreichen. Müsste jeder Mensch in jeder Situation alleine für seine Rechte eintreten, würde sich stets der oder die Stärkere durchsetzen. Gleichzeitig gibt es doch so einige Beispiele, in denen Entscheidungsträgern ihre Macht zu Kopf gestiegen ist.
Macht kann aber auch eine große Bürde sein. Darf man eine Person töten, um das Überleben einer größeren Gruppe zu sichern? Das sogenannte "Trolley-Problem" wird in zahlreichen moralischen Gedankenspielen wissenschaftlich beleuchtet.

Selten sind alltägliche Entscheidungen so weitreichend. Doch Macht wird in jeder Konstellation ausgeübt - sei es nun im Beruf, in der Familie oder bei einfachen Begegnungen auf der Straße. Mit Verfügungsgewalt geht ebenso große Verantwortung einher. Sei es die Krankenschwester, die eine Medikation verabreicht, der Fluglotse, der für eine sichere Landung sorgt, oder die Ingenieurin, die eine stabile Infrastruktur ermöglicht. Gerade in Krisensituationen bedarf es geschickter Strategen und Lenkerinnen, die auch die Courage haben mitunter unbeliebte Schritte einzuleiten.
Es ist gar nicht so lange her, da ging die Menschheit wie selbstverständlich davon aus, dass manche Repräsentanten ihrer Spezies alleine durch ihr Geburtsrecht hierarchisch höher standen, dass ihnen die Macht - und damit auch die Fähigkeit zur Ausübung eben dieser - in die Wiege gelegt worden wäre. In manchen Ländern - und auch in so manchem Kreis in unseren Breitengraden - ist das bis heute der Fall.
In demokratischen Gesellschaften soll die Macht vom Volke ausgehen. Politische Repräsentanten bekommen ihre Legitimität durch Wahlen - je nachdem wie gut sie ihre Macht einzusetzen wissen, können sie diese zementieren oder zum bröckeln bringen.

Auch in der Kunst spielt die Darstellung von Macht eine große Rolle. Science-Fiction-Fans denken hier wohl als erstes an die Star-Wars-Filme. Das Faszinosum reicht viel weiter zurück. Shakespeare soll von diesem zwischenmenschlichen Zustand besessen gewesen sein. Gleichzeitig haben sich Herrscher mit gewissen Werken auch ein unsterbliches Denkmal gesetzt.
Was steckt hinter dem Phänomen der Macht? Woher kommt ihr schlechter Ruf? Und können wir Menschen richtig mit ihr umgehen?