Radio Vorarlberg 19.09.2020

Was Macht mit uns macht

Audio Print

orf Radio Vorarlberg

In der aktuellen Focus-Sendung geht es um Macht – und was diese Macht mit den Menschen macht. Christine Bauer-Jelinek nimmt sich diesem Thema an – sie ist Psychotherapeutin, Trainerin, Beraterin und Buchautorin.

„Ohne Macht geht es nicht“, sagt Christine Bauer-Jelinek. „Macht ist weder gut noch böse“, sagt sie, „es hängt davon ab, wie man mit ihr umgeht“. Macht ist eine alltägliche Interaktion, bei der wir alle unsere Interessen durchzusetzen versuchen. Christine Bauer-Jelinek spricht in „Focus“ darüber, was Macht mit uns macht und wie wir sie verwenden.

„Macht kommt von Können“

Christine Bauer-Jelinek sagt: „Es gibt eine helle und eine dunkle Seite der Macht.“ Und sie meint: „Wir alle wenden Macht täglich an.“ Der Begriff „Macht“ hat in der deutschen Sprache – so schreibt sie – seine Wurzel in dem Zeitwort „vermögen“, das in der Bedeutung von „können“ zu „verstehen“ ist. Macht haben bedeutet also, über die Möglichkeit zum Handeln zu verfügen. Entgegen vielen Behauptungen komme „Macht“ also nicht von „machen“, sondern von „können“.

Sprachlosigkeit gegenüber der Macht

„Die letzten Jahrzehnte waren von einer Sprachlosigkeit gegenüber der Macht gekennzeichnet, in der die Hoffnung mitschwang, diese ganz zum Verschwinden bringen zu können", schreibt Christine Bauer-Jelinek in dem Buch Die helle und die dunkle Seite der Macht. „Doch die Macht löst sich nicht einfach in Nichts auf, weil keiner sie haben will. Wenn sie tabuisiert wird, verschwindet sie zwar für einige Zeit in der Versenkung, verlagert sich aber dann auf eine andere Ebene.“

Die Psychotherapeutin sagt: "Jeder Machtwechsel braucht Menschen, die bereit sind, Zeit und Geld in neue Interessengemeinschaften, in politische Parteien oder Initiativen der Zivilgesellschaft zu investieren. Erst dann bestehen Chancen auf eine bessere Welt.“